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Erlebnisbericht · Bühne · Iserlohn

Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet: ein Abend mit „Japan – Die Saga einer Nation“ – und warum ihr in Iserlohn hingehen solltet

Ein Erzähler, eine Koto und ein dunkler Saal. Nach 75 Minuten bin ich rausgegangen und habe erst mal nichts gesagt. Warum dieser Abend anders funktioniert als alles, was ich in dieser Kategorie bisher gesehen habe, und am 17. Oktober in Iserlohn zu sehen ist.

Marlene6 Min. Lesezeit
Blick aus dem Publikum auf die Bühne von „Japan – Die Saga einer Nation“ mit Projektion, Shoji-Wänden und Kirschbaum
Foto: eigene Aufnahme

Ich gebe zu, ich bin da relativ unvorbereitet reingegangen. „Szenische Live-Erzählung“ stand auf der Ankündigung, und ehrlich gesagt hatte ich keine besonders klare Vorstellung davon, was das sein soll.

In dieser Kategorie ist in den letzten Jahren viel dazugekommen, und ich habe im Hinterkopf, dass so etwas manchmal weniger einlöst, als es verspricht. Ich bin also nicht mit einer Erwartung hingegangen, eher mit Neugier.

Der Saal war gut gefüllt, gemischtes Publikum, viele Paare, ein paar Familien mit größeren Kindern, insgesamt eine ruhige Stimmung vor dem Beginn.

Ich hatte mir vorher noch überlegt, ob 75 Minuten ohne Pause nicht ein bisschen wenig sind für einen Abend. Diese Frage hat sich unterwegs von selbst erledigt, aber dazu später.

Die ersten Minuten entscheiden

Das Licht geht runter, und was zuerst da ist, ist nicht ein Bild, sondern eine Stimme. Der Erzähler beginnt ohne große Ansage, fast beiläufig, so als würde er ein Gespräch fortsetzen, das schon läuft. Erst danach kommen die Projektionen dazu, und dann, sehr leise, die Koto.

Das ist die Entscheidung, die den ganzen Abend prägt: Der Text kommt zuerst, alles andere ordnet sich unter. Ich hatte mit dem Gegenteil gerechnet, mit einer Bilderflut, in der jemand dazwischenspricht.

Es ist umgekehrt, und das funktioniert besser, als ich gedacht hätte. Nach ungefähr zehn Minuten habe ich gemerkt, dass ich aufgehört hatte, die Technik zu beobachten, und einfach zugehört habe.

Von den Mythen bis in die Gegenwart

Der Abend arbeitet sich chronologisch in Kapiteln vor:

  • Ursprungsmythen: der Anfang von allem
  • Höfische Zeit: Dichtung und Etikette
  • Kämpfende Provinzen: die Zeit der Samurai
  • Edo: zweieinhalb Jahrhunderte Abschottung, in denen Städte, Handwerk und eine eigene Bildwelt entstehen
  • Öffnung und Moderne: ein Land, in dem Tradition und Gegenwart nebeneinander stehen

Am meisten hängen geblieben ist bei mir der Samurai-Teil.

Den glaubt man aus Filmen und Serien zu kennen, und genau deshalb ist er interessant. Der Erzähler nimmt das Bild vom Samurai auseinander, das wir alle im Kopf haben, und setzt es anders wieder zusammen.

Ehrenkodex, Machtinteressen, Loyalität: Das war deutlich weniger romantisch und deutlich spannender als erwartet. Beim Übergang von Edo in die Moderne wurde es im Saal ganz still.

Was die Koto macht

Die Koto wird live gespielt, und sie tut etwas, das ich vorher unterschätzt hatte: Sie hält die Kapitel zusammen.

Zwischen zwei Epochen liegt manchmal nur ein Klangwechsel, kein Umbau, kein Vorhang. Das gibt dem Abend einen Fluss, in dem man nicht merkt, dass gerade zweihundert Jahre vergangen sind.

Wer wegen der Musik kommt, sollte wissen, dass die Koto nicht als Soloinstrument nach vorne tritt. Sie gibt den Bildern ihre Stimmung.

Für mich war genau das der Punkt, an dem der Abend zusammengekommen ist.

Erzählung, Klang und Projektion greifen ineinander statt nebeneinander herzulaufen.

Und die 75 Minuten?

Zurück zu meiner Frage von vorhin: Ich habe nicht ein einziges Mal auf die Uhr geschaut. Als das Licht wieder anging, hätte ich auf vielleicht eine Stunde getippt.

Der Verzicht auf die Pause ist der Grund dafür: Es gibt keinen Moment, an dem man rausfällt und wieder reinkommen muss.

Der Abend endet dort, wo er am dichtesten ist, und das fühlt sich besser an als eine Show, die noch zwanzig Minuten dranhängt.

Praktisch ist es außerdem: Beginn um 18 Uhr, gegen viertel nach sieben ist man draußen, und der Abend ist noch nicht gelaufen. Wir sind danach noch essen gegangen.

In Iserlohn beginnt die Vorstellung sogar schon um 15 Uhr, danach ist also noch der ganze Abend frei.

Zwei praktische Dinge

Innerhalb der gebuchten Zone gilt freie Platzwahl, mit Gruppenplatz-Garantie: Wer zusammen kommt, sitzt auch zusammen.

Wir waren etwa zwanzig Minuten vorher da und hatten noch gute Plätze, aber die Reihen füllen sich zügig, Einlass ist ab 45 Minuten vor Beginn, in Iserlohn also ab 14:15 Uhr.

Und: Vorwissen braucht ihr keins. Ich hatte über japanische Geschichte ungefähr das Halbwissen, das man aus Filmen und ein paar Artikeln mitnimmt, und bin an keiner Stelle abgehängt worden.

Namen und Epochen werden im Text eingeführt. Empfohlen ist der Abend ab zwölf Jahren, und die Jugendlichen ein paar Reihen vor mir sind bis zum Ende drangeblieben.

17Okt

JAPAN – Die Saga einer Nation

Saalbau · Von-der-Kuhlen-Straße 35, 58642 Iserlohn

  • Sa., 17.10.2026
  • 15:00 Uhr
  • 75 Minuten
  • ab 12 Jahren
  • ab 32 €
Tickets sichern
  • 🎫 Graz bereits ausverkauft
  • 📍 Saalbau, Iserlohn
  • ♿ Rollstuhlplätze verfügbar

Für wen sich das lohnt

Für alle, die ein Faible für japanische Geschichte und Ästhetik haben und trotzdem keine Lust auf einen Vortrag. Die Epochen werden als eine zusammenhängende Geschichte erzählt, nicht als Aufzählung von Jahreszahlen.

Für einen Abend zu zweit funktioniert es auch gut, gerade weil der frühe Beginn danach noch Raum lässt.

Und weil es einen festen Termin, einen festen Ort und keine Voraussetzungen gibt, ist es ehrlich gesagt eines der unkompliziertesten Geschenke, die mir gerade einfallen. Man muss den Geschmack der anderen Person nur ungefähr kennen.

Mein Fazit

Ich bin mit Neugier hingegangen und mit dem Gefühl rausgekommen, etwas gesehen zu haben, das sich nicht auf ein anderes Format zurückführen lässt. Kein Konzert, kein Theaterstück, kein Vortrag.

Eine Stimme, ein Instrument, Bilder, die sich zurücknehmen, und daraus entsteht eine Dichte, die aufwendigere Produktionen oft verfehlen.

In Iserlohn läuft der Abend am Samstag, den 17. Oktober, um 15 Uhr im Saalbau, und es ist der einzige Iserlohn-Termin dieser Tour. Der Grazer Termin am 19. September ist bereits ausverkauft, insofern würde ich damit nicht bis zur letzten Woche warten. Tickets für Iserlohn gibt es hier.

Kurz gesagt: Wenn ihr Geschichte lieber erzählt bekommt als erklärt, ist das einer der schönsten Termine, die im Oktober in Iserlohn auf dem Programm stehen.